Designbildung der Zukunft

In dem Buch Designzukunft denken und gestalten habe ich mit meinem Koautor Michael B. Hardt Grundsätze für eine zukunftsorientierte Aus- und Weiterbildung im Designbereich formuliert. Ausgangspunkt war die sich verändernde Arbeitswelt und die radikale Neuausrichtung des Berufsbildes »Designer«. Von der Entwicklung interdisziplinärer Netzwerke über zukünftige Leistungsangebote bis zur prozessorientierten Beratung, Planung und Gestaltung spannten wir den Bogen der Designer-Zukunft.


Designausbildung

Darauf aufbauend propagieren wir ein »Drei-Säulen-Modell« für die an Nachhaltigkeit orientierte Designausbildung: Wissen, Denken und Machen. Diese drei Säulen bilden gemeinsame Schnittmengen:

  • Wissen und Denken bilden analytische Fähigkeiten: Wie kann man aus dem Wissen um einen Sachverhalt ein Konzept entwickeln, um zu einer präferierten Situation zu gelangen?
  • Denken und Machen bilden synthetische Fähigkeiten: Wie kann man das Konzept einer präferierten Situation gestalterisch umsetzen? Wie kann man ein Konzept evaluieren?
  • Machen und Wissen bilden kritische Fähigkeiten: Welche ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen hat das Gestaltungsergebnis? Wie verändert sich dadurch das vorhandene Wissen um einen Sachverhalt?
  • Wissen, Denken und Machen zusammen bilden gestalterische Fähigkeiten.

Dies stellt hohe Voraussetzungen an Studienbewerber, die eine Synchronisation mit dem Kunstunterricht an Gymnasien erfordert. Wer sich an einer Design-Hochschule bewirbt, sollte bereits fundierte Fähigkeiten in den kunsthandwerklichen Fachbereichenetwa im Zeichnen, Malen, Modellieren (Töpfern, Bildhauern oder Schnitzen) oder Webenbesitzen und nachweisen. Dabei geht es nicht um die kreativen, sondern um die handwerklichen Fähigkeiten. In Bezug auf das Wissen sollte, neben einer überdurchschnittlichen Allgemeinbildung, spezielles Wissen im Bereich Kulturgeschichte und gestaltungsrelevanter Mathematik (Geometrie) vorhanden sein. Die Fähigkeit, analytisch und synthetisch gestalterisch zu denken, sollte ausgeprägt sein.

Im Bachelorstudium erwirbt der Studierende das fachspezifisch
vorhandene Grundwissen und die Fähigkeit, dieses Wissen gestalterisch anwendbar zu machen. Aufbauend auf seinen analogen handwerklichen Fähigkeiten erwirbt er zusätzliche Fähigkeiten im Bereich digitaler Gestaltung. Der im Bologna-Prozess angeregte internationale Austausch konfrontiert den Studenten mit anderen Denkweisen. Nach der hier vorgeschlagenen Struktur und darin implizierten Kompatibilität ist er in der Lage zu vergleichen.

Im Masterstudium wird der Schwerpunkt auf die Erweiterung des vorhandenen Wissens gelegt. Der Studierende wird vertraut gemacht mit den Grundlagen akademischer Forschung und deren Anwendung. Wissenschaftlich interessierte Absolventen haben dann die Möglichkeit, das vorhandene Wissen durch Forschung in einem postgraduierten Studiengang durch Promotion zu erweitern.


Designweiterbildung

Wissen, das durch die Designausbildung erworben wird und die erarbeiteten Fertigkeiten sind einem permanenten Wandel unterzogen. Um im Wettbewerb bestehen zu können, erfordern die technologischen, ökonomischen und sozialen Veränderungen deshalbunabhängig vom Abschluss (klassisches Diplom, Bachelor, Master, Promotion) – eine lebenslange Weiterbildung. Vor allem die gesellschaftliche Umorientierung, ausgelöst durch den Metatrend Nachhaltigkeit, wird Viele dazu zwingen, ihren Beruf ganz neu zu lernen. Und das gilt nicht nur für Designer, sondern betrifft die Mehrzahl der heutigen Berufe.

Neben den Kern-Kompetenzen der Gestaltung geht es in diesem Zusammenhang auch um die Komplementär-Kompetenzen in den Leistungsfeldern der Planung und Beratung sowie im wirtschaftlichen Bereich. Geht man von den in der Praxis geforderten Kenntnissen und Fähigkeiten aus, ist eine adäquate und speziell auf die Eigenschaften der Designer zugeschnittene Professionalisierung und Qualifizierung erforderlich.


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