Businessmodelle – Digitalisierung

Wie Designer und Designunternehmer zukunftsfähige Businessmodelle entwickeln

Was bedeutet die Digitalisierung für Designer?

In nahezu allen Branchen treibt uns die sogenannte Disruption als Schreckgespenst weitgehender Verdrängung bewährter Businessmodelle. Nun sind solche Veränderungen zwar nichts grundlegend Neues – schließlich hat der Ökonom Joseph Schumpeter bereits im letzten Jahrhundert die »kreative Zerstörung« als wesentliche Funktion des Unternehmers definiert. Neu allerdings ist die rasante Geschwindigkeit der Veränderungen – vorrangig vorangetrieben durch die Digitalisierung – und der Medienhype.

Für Designer dürfte die Digitalisierung vorerst kein Problem sein, verbinden sie damit doch eine langjährige Erfahrung im technisch-gestalterischen Bereich (Desktop-Publishing / CAD / 3D-Druck et cetera). Und davon haben sie in den letzten zwei Jahrzehnten auch erheblich profitiert – durch neue Arbeitsplätze und steigende Umsätze. Doch parallel dazu haben sie sich zunehmend zu Dekorateuren dieses technischen Fortschritts degradieren lassen – eine Rolle, die sie, und das ist beunruhigend, mehr und mehr akzeptiert zu haben scheinen.
Doch wer sich beim Gestalten darauf beschränkt, nur auszuführen, die technisch überbordende Komplexität also nur zu vermitteln, lässt die Entwicklung dieser Komplexität unangetastet und bleibt in der Defensive. Designer, die in einer solchen Position verharren, sind austauschbar – sie haben in Zukunft tatsächlich verloren.

Erschwerend hinzu kommt, dass die bisher (geregelten) lokalen, regionalen oder nationalen Märkte heute globalen Markbedingungen ausgesetzt sind. Die Folge: Immer mehr Marketing- und Werbeagenturen übernehmen originäre Designleistungen und dringen damit in die Märkte der Designbüros und einzeln schaffender Designer ein. Die Agenturen wiederum stehen in einem wachsenden Wettbewerb mit globalen Konzernen und sind immer häufiger Ziele von Akquisitionen (Übernahmen) durch große Strategieberatungsunternehmen.

Dadurch zeichnet sich ein genereller Trend ab: Die Zahl der kleinen Designbüros, die freiberuflich ohne Mitarbeiter tätig sind, steigt kontinuierlich. In der Regel verbergen sich dahinter die bekannten »Einzelkämpfer im stillen Kämmerlein«, die sich nicht selten als Crowdworker verdingen. Welche existenziellen Risiken damit verbunden sind, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Noch stärker steigt die Zahl der größeren (gewerblichen) Designbüros mit Mitarbeitern. Vor allem aber steigen die Umsätze der größeren Designbüros dreimal so schnell wie die der kleinen.

Diese Entwicklung macht deutlich, dass Designer ihre Fähigkeiten und Kompetenzen weit über ihre ausführend gestalterische Tätigkeit hinaus weiterentwickeln müssen. Sie müssen ihre Akquisitions- und Verhandlungsstrategie auf diese veränderten Bedingungen einstellen, indem sie strategische Kompetenzen entwickeln oder manifestieren und sie klar von den operativen Leistungen trennen und bewerten. Gegebenenfalls bedeutet das eine professionelle Neupositionierung, doch die ist existenziell, zugleich aber auch Chance.

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